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Der Photograph Hein Gorny |
![]() Gelegentlich gibt es in der Geschichte der Photographie der Zwanziger Jahre einen Hinweis auf den Photographen Hein Gorny (1904-1967). Gorny gehörte dem Kreis von Künstlern an, der die Kunstszene jener Zeit beeinflußte. Namen wie zum Beispiel Kurt Schwitters, Ernst Thoms, Carl Buchheister und Hanns Krenz werden mit ihm in Verbindung gebracht. Albert Renger-Patzsch, Hugo Erfurth und Umbo werden von seinen zu seinen Freunden. Fünf Motivbereiche waren es, die Gorny immer wieder bearbeitet hatte: Besonders in seinen frühen Arbeiten ist die Freude am Experiment, die Aufgeschlossenheit allem Neuen und Ungewöhnlichen gegenüber deutlich sichtbar. Bildbände mit hohen Auflagen beweisen seine Aktivität als Illustrationsphotograph. Die für die damalige Photographie typische Sehweise, die aus heutiger Sicht fast an Pop-Art erinnernde Reihung vornehmlich banaler Alltagsgegenstände, ist denn auch in seinen ersten Arbeiten nicht selten. Anläßlich einer Ausstellung in Hannover lernte Gorny 1927 Albert Renger-Patzsch kennen, dessen "Neue Sachlichkeit" in der Photographie bereits eine Wende eingeleitet hatte. Aus dieser Begegnung wurde eine Freundschaft. Verständlicherweise blieb der fast missionarische Eifer, mit dem der bereits erfolgreiche Renger-Patzsch seine Richtung vertrat, nicht ohne Einfluß auf den damals 23jährigen Gorny. In den hannoverschen Firmen Bahlsen und Pelikan fand Gorny dann bald Auftraggeber, deren fortschrittliche Einstellung zum Einsatz der Photographie in der Werbung seinen Intentionen entgegenkam. Aufträge von weiteren bedeutenden Firmen schlossen sich an, wie zum Beispiel der Feldmühle AG, der Textilfirma Bemberg, der Tapetenfabrik Norta, der Blaupunkt Radio AG, der AEG usw., für die er auch noch nach seiner Umsiedlung nach Berlin im Jahre 1935 weiter eingesetzt wurde. In Berlin hatte Gorny bald Kontakt zu Gleichgesinnten. Aus der Begegnung mit dem Bauhausschüler Umbo, der zur damaligen Zeit Bildjournalist der DEPHOT (Deutscher Photodienst) war, wurde eine über lange Jahre andauernde Freundschaft. Später lernte Gorny dann Hugo Erfurth kennen, der durch seine eindrucksvollen Porträts aus dem Kultur- und Geistesleben bekannt geworden war. Bei Erfurth waren es die von früher her bekannten phototechnischen Edeldruckverfahren, die Gorny faszinierten und seine Aufmerksamkeit auf die Porträtphotographie lenkten. Auf Veranlassung seines langjährigen Freundes Werner Kube, der als Verlagskaufmann den Bruckmann Verlag in Berlin vertrat, bekam Gorny 1936 die Möglichkeit zur Realisierung eines Pferdebuches, ein Projekt, von dem er schon lange geträumt hatte. "In meiner Berufsarbeit hatte ich mit Bildvorwürfen aller Art zu tun. Hier war einer, an dem ich mich messen konnte: der unaufhörlich wechselnde Reiz der Bewegung, das Gleichgewicht von Zucht und Rasse, die gebändigte Form, wie sie edlen Pferden eigen ist, hatten es mir angetan", schrieb er begeistert im Vorwort zur ersten Ausgabe seines Bildbandes "Ein Pferdebuch". Mit großer Hingabe widmete sich Gorny dieser neuen Aufgabe. Sorgfältige Recherchen und ausgedehnte Reisen ergaben nach monatelanger Vorbereitung ein ausgereiftes Bildmaterial. In der dokumentarisch-illustrativen Photographie fand Gorny seine Richtung". In verantwortungsvoller Handhabe der lllustrationsphotographie folgten in den nächsten Jahren weitere Bildwerke über Pferde und Hunde. Nicht zuletzt die immer neuen Auflagen seiner Bildbände - das Pferdebuch erschien in acht Auflagen, zuletzt 1970 in Dänemark - beweisen das Zeitlose seiner Aufnahmen. Biografie1922 Gorny kommt nach Hannover und arbeitet zuerst in seinem erlernten Beruf als Tischler bei der Fa. Philipp Holzmann. Sein großes Interesse für die moderne Kunst bringt ihn mit dem "Kröpcke-Kreis" zusammen, in dem sich allabendlich bekannte Künstler im Café am Kröpcke zum Gedankenaustausch treffen. 1924 Reise nach Italien und Ägypten, wo Gorny als Hauslehrer arbeitet und seine ersten Photos im Kairoer Zoo macht. Hanns Krenz, der damalige Leiter der Kestnergesellschaft, vermittelt seine Aufnahmen an den "Hannoverschen Anzeiger". ![]() 1925 Reise nach Griechenland. Ein Porträtauftrag bringt ihn mit Theodor Lessing zusammen. Gorny lernt die Tochter des Kulturphilosophen kennen, die später seine Frau wird. 1926 Nochmalige Reise nach Italien. 1927 Lernt Gorny Albert Renger-Patzsch kennen, der im November seine erste Photoausstellung in den Räumen der Kestnergesellschaft (Hannover) zeigt, 1929 Gorny meldet in Hannover seine photographische Tätigkeit als Gewerbe an. 1930 Besuch der Städte Leningrad und Moskau, zusammen mit Erich Ohser (E. 0. Plauen) und Erich Kästner, den Gorny auf der ersten öffentlichen Vorlesung des Schriftstellers in Hannover kennengelernt hatte. Er beginnt mit Werbephotos für hannoversche Unternehmen, u. a. für Bahlsen und Pelikan. 1932 Heirat mit Ruth Lessing, der Tochter von Theodor Lessing, der 1933 in Marienbad einem Attentat der Nationalsozialisten zum Opfer fällt. 1934 Um aus Deutschland zu kommen, versucht Gorny eine Arbeitserlaubnis in Paris zu bekommen. Empfehlungen bringen ihn nach St. Moritz, wo er für die Kurverwaltung arbeitet. Später Rückkehr nach Hannover. Reportagen und Werbeaufnahmen für verschiedene Firmen schließen sich an.
1936/37 Durch den Bruckmann Verlag bekommt Gorny die Möglichkeit zur Realisierung eines Pferdebuches. Monatelange Vorbereitungen beginnen. 1938 Veröffentlichungen in der Zeitschrift "Das schwarze Korps" haben zur Folge, daß Gorny auf Grund der jüdischen Abstammung seiner Frau denunziert und von der Reichspressekammer zur Scheidung aufgefordert wird. Finanziert vom Bruckmann Verlag, reist er in die USA, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. In Berlin trifft seine Frau die Vorbereitungen zur Ausreise und verkauft das Atelier. 1939 Rückkehr nach Deutschland, da es seiner Frau nicht gelungen war, eine Aufenthaltserlaubnis für die USA zu bekommen. Umfangreiche Aufträge der Bademoden-Industrie überbrücken die Zeit, in der er ohne Atelier auskommen muß. Später übernimmt Gorny wieder das ehemalige Atelier, dessen zwischenzeitlicher Besitzer verunglückt war. Geburt seiner Tochter Katrin 1941 Wegen seiner Frau wird Gorny für wehrunwürdig erklärt, erhält aber zahlreiche Aufträge, da viele Photographen eingezogen oder ausgewandert waren. ![]()
Eine Buchveröffentlichung erscheint aber nicht. Mit einigen Unterbrechungen beschäftigt er sich in den nachfolgenden Jahren u. a. mit dem Kunsthandel und wird für kurze Zeit Teilhaber eines Studios für Werbephotographie in Kassel. 1954 Die sich bereits in den letzten Kriegsjahren abzeichnende Krankheit bringt Gorny in eine hannoversche Klinik. Durch die verständnisvolle Leitung dieses Hauses bekommt er die Möglichkeit, weiter als Photograph tätig zu sein. Er arbeitet an geplanten Büchern, kann sie aber nicht mehr abschließen. 1967 Am 14. Juni kommt Gorny durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben.
BibliographieKamera auf Skiern, Text Carl Josef Luther, Knapp Verlag Halle 1941. Fotoerfolg am Badestrand, Text Herbert Erich Trieb, Knappverlag Halle 1941. Ein Hundebuch, Text Graf Baudissin, Bruckmann Verlag München 1941. Pferde am Gletscher, Text Karl Thurner, Bruckmann Verlag München 1942. Der Haflinger, Text Karl Thurner - München : Bruckmann, 1943 Buntes Trachtenbüchlein Oberbayern, München : Bruckmann, 1954 Illustrationen der Bildbände von Paul Eipper: Gelbe
Dogge Senta -Prangender Sommer - Dein Wald, alle Dietrich Reimerverlag Berlin 1935. Liebe zum Tier, Paul Eipper, Berlin : P. Franke, 1937 Feldmühle Stettin, das Buch vom Papier 1933 Das Buch der Stadt Zwickau. Das nieverlorene Paradies. Aus deutschen Wäldern, Wiesen und Gärten. Ein Bilderwerk vom Pflanzenreich., Mezger, Max u. Hans Ludwig Oeser, Verlag: Berlin: Vlg. d. Gartenschönheit, (ca. 1935), Fotos überwiegend aus dem Folkwang-Archiv, Berlin, Dore Barleben, Hein Gorny Menschen der Scholle, Lendvai-Dircksen.,Begleitwort von Hans-Ulrich Lüning. Berlin, L. Simon Verlag: (1936), Die Photos u.a von Binder (5),Lendvai-Dircksen (21), Erich Retzlaff (8), Hein Gorny (2). Menschen am Wasser, Heinz Kuhbier, Berlin : Brunnen-Verl. Bischoff, 1936 Texte v. Hans Leip, Ernst Kreuder, Heinz Steguweit, Dwinger etc., Photographien v. Hein Gorny, H. v. Perckhammer, Saebens, Dr. Paul Wolff Durch Wald und Flur, m. H.C.Trieb 1939 Bahlsens Keksfabrik Hannover 1889-1939, Jacques, Norbert, (Hannover, 1939). Mit Abbildungen nach Fotografien von Hein Gorny und Gremmler-Gorny. Dackel Lüttje und das Katzenkind. Lustige Tiergeschichte für Jungen und Mädel. Verlag: Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft (1944). 15 Abbildungen nach Aufnahmen v. Hein Gorny u. Johannes Widmann. Mein Freund Flicka, Mary O`Hara, Frankfurt,Frankfurter Verlagsanstalt. 1952 Mit s/w Tafeln von Hein Gorny. Sehen und Gestalten. Natur und Menschenwerk, Verlag: Leipzig, E. A. Seemann, 1952. Fotos u.a. von Fritz Kühn, Ursel Buchholtz, Albert Renger - Patzsch, Heinrich Loew, Hein Gorny, Alfred Erhardt, Lely Kempin, Dore Barleben, Friedrich Seidenstücker, Arthur Köster u. Karl Bloßfeldt, Im Westerwald und Taunus, Aus den Erlebnissen u. Erinnerungen eines Wildmeisters, Karl Zorn, Verlag: Hamburg ; Berlin : Parey, 1963 8 Abb. auf Taf. [von Hein Gorny u. Jochen Kankel]. |